7. April 2025, 19:30 Uhr
VERSÖHNUNG DURCH VERSIPPUNG
»O Bruder Montague, gib mir die Hand…« Über dem Grab von Romeo und Julia versöhnen sich die Streitparteien. Zumindest im Drama führt wahre Liebe durch ihr Opfer zur Versöhnung. In der historischen Wirklichkeit war das komplizierter: sei es der Bürgerkrieg zwischen den norditalienischen Städten Ghibellinen und Guelfen, der als historischer Hintergrund diente, sei es der Rosenkrieg zwischen den Adelshäusern York und Lancaster, den Shakespeare vor Augen hatte. Weniger die Liebesheirat als vielmehr die politische Ehe bildet ein verlässliches Mittel der Versöhnungspolitik; denn, so die nicht ganz abwegige Vermutung: innerhalb der Familie streitet es sich anders. Auf der Bühne aber darf sich die Liebe entfalten. »Ich weiß des Fremdlings Namen! Sein Name ist Gemahl!«, singt die Prinzessin Turandot, besiegt und triumphierend zugleich und damit den uralten Konflikt zwischen Tataren und Chinesen, räuberischem Reitervolk und Hochkultur versöhnend.
Mit: Prof. Dr. Clemens Albrecht (Universität Bonn) und Mitgliederndes Ensembles
29. April 2025, 19:30 Uhr
EICHMANNS ANWALT ROBERT SERVATIUS
ALS VERTEIDIGER IN NS-STRAFVERFAHREN
Der Kölner Rechtsanwalt Robert Servatius erlangte 1961 weltweite Bekanntheit: Er verteidigte im Prozess in Jerusalem Adolf Eichmann, der während des Zweiten Weltkriegs aus dem Berliner Reichssicherheitshauptamt die Deportation der europäischen Juden in die deutschen Vernichtungslager organisiert hatte. Der Historiker Dirk Stolper gibt Einblick in seine Studie, in der er sowohl die Biografie als auch die öffentliche Wahrnehmung von Servatius untersucht und die von ihm entwickelten Verteidigungsstrategien in NS-Prozessen beleuchtet. Ein wichtiger Beitrag zur Erforschung der juristischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und den NS-Verbrechen.
Mit: Dr. Dirk Stolper (Universität Frankfurt/Main) und Mitgliedern
des Ensembles